Bandcamp oder eigene Website: was für Musiker besser ist
Bandcamp oder eigene Website: was für Musiker besser ist
Das ist eine Frage, die im falschen Rahmen gestellt wird.
Bandcamp oder eigene Website ist kein entweder-oder. Beide lösen unterschiedliche Probleme — und wer nur eines nutzt, verschenkt systematisch etwas.
Trotzdem lohnt es sich, die Stärken und Schwächen beider Optionen klar zu verstehen. Denn was du einsetzt, hängt davon ab, wo du gerade stehst und was du erreichen willst.
Was Bandcamp ist — und was nicht
Bandcamp ist ein Marktplatz. Musiker laden dort ihre Musik hoch, Fans kaufen sie direkt. Bandcamp verdient durch eine Provision: 15 % auf digitale Verkäufe, die auf 10 % sinkt, sobald ein Künstler die Umsatzschwelle von 5.000 US-Dollar überschritten hat. Bei Merchandise liegt die Provision bei 10 %. An Bandcamp Fridays — acht Termine pro Jahr, 2026 unter anderem am 6. Februar, 1. Mai und 6. November — verzichtet Bandcamp auf seinen Anteil vollständig.
Seit 2008 hat Bandcamp nach eigenen Angaben über 1,7 Milliarden US-Dollar direkt an Musiker ausgezahlt.
Was Bandcamp außerdem ist: eine Community. Wer dort präsent ist, profitiert von Fans, die gezielt nach unabhängiger Musik suchen. Bandcamp Daily, das redaktionelle Blog der Plattform, empfiehlt regelmäßig Releases — eine Sichtbarkeit, die auf anderen Plattformen nicht in dieser Form existiert.
Was Bandcamp nicht ist: ein Kanal, den du kontrollierst. Bandcamp gehört seit Oktober 2023 Songtradr, einem Musik-Lizenzierer. Die Übernahme kam mit einem massiven Stellenabbau — rund die Hälfte der Belegschaft wurde entlassen. Die Plattform läuft stabil, aber die strukturelle Abhängigkeit ist real: Preise, Bedingungen und der Fortbestand der Plattform selbst liegen außerhalb deiner Kontrolle.
Was eine eigene Website ist — und was nicht
Eine eigene Website (oder ein eigener Artist Shop) ist ein Kanal, der dir gehört. Kein Algorithmus entscheidet, was sichtbar ist. Keine Provision auf Verkäufe. Keine Plattform, die ihre Bedingungen ändern kann.
Gleichzeitig bringt eine eigene Website keine eingebaute Reichweite. Wer dort verkauft, braucht Besucher — und die muss er selbst anziehen. Über SEO, über Social Media, über seine E-Mail-Liste, über Empfehlungen.
Die technischen Hürden sind heute niedriger als je zuvor. Plattformen wie Shopify oder spezialisierte Anbieter für Musiker ermöglichen in wenigen Stunden einen funktionsfähigen Shop ohne Programmierkenntnisse. Monatliche Grundkosten liegen je nach Anbieter zwischen null und etwa 30 Euro.
Was eine eigene Website außerdem kann: Fan-Daten. Wer direkt über seine Website verkauft, sammelt E-Mail-Adressen und kaufbezogene Daten seiner Fans. Das ist der Unterschied zwischen einem einmaligen Verkauf und einer langfristigen Beziehung.
Der direkte Vergleich

Für Entdeckbarkeit spricht Bandcamp. Eine eigene Website liefert ohne aktive SEO- oder Marketing-Arbeit keine neuen Hörer.
Für Umsatzkontrolle spricht die eigene Website. 15 % Provision auf jeden Verkauf summiert sich. Bei 500 Euro Monatsumsatz sind das 75 Euro, die dauerhaft an Bandcamp gehen.
Für Fanbeziehung spricht die eigene Website. Bandcamp gibt dir keinen direkten Zugang zu deinen Käufern als E-Mail-Kontakte — du siehst Verkäufe, aber baust keine Liste auf.
Für Vertrauen beim Erstkauf spricht Bandcamp. Fans, die Bandcamp kennen, vertrauen der Plattform. Der erste Kauf auf einer unbekannten eigenen Website erfordert mehr Überzeugungsarbeit.
Für Langfristsicherheit spricht die eigene Website. Bandcamp ist heute stabil, aber zweifach verkauft worden in vier Jahren. Die Abhängigkeit ist ein strukturelles Risiko.
Was das für die Praxis bedeutet
Für Musiker, die gerade anfangen: Bandcamp ist der schnellste Weg zu einem funktionierenden Direktverkaufskanal. Null Fixkosten, eingebaute Community, vertrauenswürdige Plattform. Der Einstieg ist sinnvoll.
Für Musiker, die bereits verkaufen: Die Provision macht bei wachsendem Umsatz zunehmend einen Unterschied. Und ohne eigene Fan-Daten bleibt die Basis jedes Releases Plattform-abhängig.
Die Praxis, die langfristig funktioniert: Bandcamp als Entdeckungskanal und Marktplatz für die Plattform-Community — und eine eigene Website als Heimkanal für direkte Fanbeziehungen und provisionsfreie Verkäufe. Beide Kanäle können dasselbe Produkt verkaufen. Welchen Link du in deinen Newsletter schreibst, ist dann eine bewusste Entscheidung: entweder den Bandcamp-Link (Vertrauen durch bekannte Plattform) oder den eigenen Shop-Link (kein Provisionsabzug, Aufbau von Fan-Daten).
Was Bandcamp-Alternativen heute bieten
Neben Bandcamp und eigener Website haben sich einige Plattformen positioniert, die auf die Unsicherheiten nach der Songtradr-Übernahme reagieren.
Sleeve verspricht 100 % der Einnahmen für Künstler (minus Stripe-Gebühren), Faircamp ist eine selbst-hostbare Open-Source-Alternative. AC55ID/Acid Nation bietet 100 % Umsatzbeteiligung für 10 US-Dollar pro Monat.
Diese Alternativen sind interessant für Musiker, die das Bandcamp-Modell schätzen, aber die Plattformabhängigkeit reduzieren wollen. Ob sie die Netzwerkeffekte und die Community-Dichte von Bandcamp aufbauen können, bleibt offen.
Die ehrliche Einschätzung
Bandcamp ist nach wie vor die stärkste Direct-to-Fan-Marktplatzplattform für unabhängige Musiker. Wer dort nicht präsent ist, verzichtet auf Sichtbarkeit in einer aktiv kaufenden Community.
Eine eigene Website ist gleichzeitig kein Luxus, den man sich irgendwann leistet. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Fanbeziehung dir gehört — nicht einer Plattform.
Wer beides nutzt, hat mehr Kontrolle als wer nur eines nutzt. Das ist keine komplizierte Strategie — nur konsequentes Denken in Besitz statt in Abhängigkeit.
Ein System, das eigenen Shop, E-Mail-Liste und Direktverkauf zusammenbringt, ist IndieFunnels.