Electronic Press Kit (EPK) erstellen: was rein muss

Electronic Press Kit (EPK) erstellen: was rein muss

Electronic Press Kit (EPK) erstellen: was rein muss

Ein Electronic Press Kit, kurz EPK, ist deine digitale Pressemappe als Musiker. Veranstalter, Journalisten, Playlist-Kuratoren und Labels entscheiden oft in wenigen Minuten, ob sie sich mit dir beschäftigen. Ein gutes EPK gibt ihnen alles, was sie für diese Entscheidung brauchen, an einem Ort. Dieser Leitfaden zeigt dir, was in dein Electronic Press Kit gehört, wie du es aufbaust und welche Fehler du dir sparen kannst.

Was ein Electronic Press Kit ist

Ein Electronic Press Kit ist eine kompakte Sammlung der wichtigsten Informationen über dich oder deine Band: Biografie, Pressefotos, Musik, bisherige Höhepunkte und Kontaktdaten. Früher war das eine gedruckte Mappe, heute ist es eine Webseite oder ein PDF.

Wichtig zur Einordnung: Die Abkürzung EPK steht in der Musikwelt für Electronic Press Kit. Wenn du im Wirtschaftsstudium von EPK gehört hast, war die Ereignisgesteuerte Prozesskette gemeint, ein Diagrammtyp aus der Prozessmodellierung. Mit der hat deine Pressemappe nichts zu tun.

Das EPK ist kein Werbeprospekt für Fans. Es richtet sich an Menschen aus dem Musikbetrieb, die schnell prüfen wollen, ob du zu ihrem Programm, ihrer Bühne oder ihrer Playlist passt. Ein Booker will wissen, wie du live klingst und wie viele Leute du ziehst. Eine Journalistin will eine Bio, die sie fast direkt übernehmen kann, und Fotos in Druckqualität. Ein Kurator will deine Musik mit einem Klick hören. Dein EPK ist gut, wenn jede dieser Personen in unter zwei Minuten findet, was sie sucht.

Was in ein EPK gehört (die Checkliste)

Schaubild: Was in ein Electronic Press Kit gehört

Der Kern eines Electronic Press Kit ist über alle Genres hinweg gleich. Diese Bestandteile gehören hinein, jeweils mit einem klaren Zweck.

Eine kurze und eine lange Biografie. Die Kurzversion hat drei bis fünf Sätze und beantwortet: Wer bist du, welche Musik machst du, was ist gerade aktuell? Die lange Version darf zwei bis drei Absätze haben und Werdegang und Einordnung liefern. Schreibe beide so, dass eine Redaktion sie ohne Umbau übernehmen kann. In der dritten Person, ohne Superlative, mit konkreten Stationen statt Selbstbeschreibungen wie „einzigartig“ oder „unverwechselbar“.

Aktuelle Pressefotos. Mindestens zwei bis drei professionelle Fotos in hoher Auflösung, quer und hochkant. Benenne die Dateien sauber und nenne den Fotografen, denn Redaktionen brauchen den Bildnachweis. Wichtig im DACH-Raum: Kläre mit dem Fotografen schriftlich, dass die Bilder zur Pressenutzung freigegeben sind. Fotos, die älter als zwei Jahre sind oder eine frühere Besetzung zeigen, gehören aussortiert.

Deine Musik, direkt hörbar. Zwei bis vier deiner stärksten Stücke, eingebettet oder als direkter Link zu Spotify, Bandcamp oder SoundCloud. Niemand aus dem Musikbetrieb lädt sich ZIP-Dateien herunter oder wartet auf einen Download-Link. Ein Klick, Musik läuft. Das ist der Maßstab.

Höhepunkte und Zahlen, ehrlich ausgewählt. Releases, Pressestimmen, Radio-Einsätze, nennenswerte Konzerte oder Festivals, relevante Streaming-Zahlen. Wähle drei bis fünf Punkte aus, die wirklich etwas belegen. Eine echte Pressestimme mit Quelle wirkt stärker als zehn aufgeblähte Erwähnungen.

Live-Nachweis, wenn du Auftritte willst. Ein gut gefilmtes Live-Video sagt einem Veranstalter mehr als jede Bio. Es muss nicht aufwendig produziert sein, aber Ton und Bild müssen sauber sein. Ein verwackeltes Handyvideo aus der fünften Reihe schadet mehr, als es nützt. Dazu eine kurze Liste vergangener Auftritte, wenn sie für dich spricht.

Technische Angaben, falls relevant. Für Booking-Anfragen gehören Besetzung, Technik-Anforderungen und im besten Fall ein Stage-Rider als PDF dazu. Für ein reines Presse-EPK kannst du diesen Teil weglassen.

Kontakt und Kanäle. Eine E-Mail-Adresse, die gelesen wird, der Ansprechpartner mit Namen und Links zu deinen wichtigsten Kanälen. Das klingt selbstverständlich, ist aber einer der häufigsten fehlenden Punkte. Wer dich buchen will und keine Kontaktmöglichkeit findet, bucht jemand anderen.

Was nicht hineingehört: dein kompletter Backkatalog, private Geschichten ohne Bezug zur Musik, Logos und Banner in zwölf Varianten und alles, was älter als drei Jahre und nicht mehr aussagekräftig ist. Ein EPK ist eine Auswahl, kein Archiv.

Wie du dein EPK aufbaust (Schritt für Schritt)

Du brauchst kein spezielles Programm und kein Budget, um ein Electronic Press Kit zu erstellen. Du brauchst eine Form, die zu dir passt, und einen Nachmittag Zeit.

Schritt 1: Wähle die Form. Drei Varianten haben sich bewährt. Die erste ist eine Unterseite auf deiner eigenen Website, zum Beispiel unter deinem Namen mit dem Zusatz /presse oder /epk. Das ist die beste Lösung, wenn du eine Website hast: Die Adresse ist seriös, du kannst jederzeit aktualisieren, und alles liegt unter deiner Kontrolle. Wie du eine solche Seite aufsetzt, zeigt der Leitfaden Musiker Website erstellen. Die zweite Variante ist ein PDF. Es ist als Anhang verschickbar und funktioniert offline, veraltet aber schneller und zwingt Empfänger zum Herunterladen. Es eignet sich als Ergänzung, weniger als Hauptform. Die dritte Variante ist ein einfacher Seitenbaukasten, falls du noch keine Website hast. Damit kommst du schnell zu einer ordentlichen EPK-Seite, bist aber an den Anbieter gebunden. Keine der drei Formen ist Pflicht. Entscheidend ist, dass der Inhalt stimmt und der Zugriff einfach ist.

Schritt 2: Sammle das Material. Gehe die Checkliste oben durch und lege alles in einen Ordner: Bios, Fotos mit Bildnachweis, Links zu deinen Stücken, Höhepunkte, Kontakt. Du wirst merken, wo Lücken sind. Fehlende Pressefotos sind die häufigste. Dann ist das der erste Arbeitsauftrag, bevor du irgendetwas baust.

Schritt 3: Baue die Seite oder das Dokument. Halte die Reihenfolge an der Logik deiner Leser fest: oben das Wichtigste, also wer du bist und wie du klingst, darunter Fotos und Höhepunkte, unten Technik und Kontakt. Eine Bildschirmseite Konzentration schlägt fünf Seiten Vollständigkeit.

Schritt 4: Teste mit fremden Augen. Schicke das EPK an eine Person, die dich nicht kennt, und stelle ihr drei Fragen: Weißt du nach einer Minute, welche Musik ich mache? Findest du meine Musik mit einem Klick? Findest du meinen Kontakt? Wenn eine Antwort Nein lautet, bessere nach.

Schritt 5: Halte es aktuell. Ein EPK ist nie fertig. Trage neue Releases und Höhepunkte ein und wirf alte Einträge raus. Ein fester Termin zweimal im Jahr reicht, zum Beispiel vor jeder Release-Phase. Wie das EPK in die Vorbereitung einer Veröffentlichung passt, beschreibt der Artikel Musik Release planen.

Häufige Fehler im EPK

Die meisten EPKs scheitern nicht an fehlendem Talent, sondern an vermeidbaren Fehlern.

Veraltete Inhalte. Die Bio endet beim Release von vor drei Jahren, das Foto zeigt den alten Schlagzeuger. Das signalisiert: Hier kümmert sich niemand. Aktualität ist das einfachste Qualitätsmerkmal, das du selbst in der Hand hast.

Zu viel Material. Zehn Songs, vierzig Fotos, jede Erwähnung seit Schulzeiten. Wer alles zeigt, zeigt nicht, was zählt. Triff die Auswahl selbst, sonst trifft sie der Empfänger, und zwar ungeduldig.

Schwache Fotos. Unscharfe Bilder, niedrige Auflösung, kein Bildnachweis. Für Redaktionen sind solche Fotos unbrauchbar, und der Gesamteindruck leidet sofort.

Kein direkter Weg zur Musik. Wenn jemand erst ein Formular ausfüllen, einen Player suchen oder eine Datei herunterladen muss, ist er weg. Die Musik gehört prominent und sofort abspielbar in dein EPK.

Unklarer Kontakt. Keine E-Mail-Adresse, nur ein Kontaktformular, kein Name. Menschen aus dem Musikbetrieb schreiben lieber eine direkte Mail an eine Person als in ein anonymes Formular.

Eine Mappe für alle Zwecke. Ein Booker und eine Musikredaktion suchen unterschiedliche Dinge. Du brauchst kein zweites EPK, aber passe die erste Zeile deiner Anschreiben an und stelle den Teil nach vorn, der für den Empfänger zählt.

Häufige Fragen

Was ist ein EPK in der Musik?
EPK steht für Electronic Press Kit, die digitale Pressemappe eines Musikers oder einer Band. Sie bündelt Biografie, Pressefotos, Musik, Höhepunkte und Kontaktdaten für Veranstalter, Presse, Kuratoren und Labels.

Brauche ich als unbekannter Künstler überhaupt ein EPK?
Ja, gerade dann. Ohne Bekanntheit entscheidet die Präsentation. Ein knappes, sauberes EPK mit zwei guten Stücken, zwei brauchbaren Fotos und einer ehrlichen Bio reicht für den Anfang völlig.

Gibt es eine Vorlage für ein Electronic Press Kit?
Vorlagen können beim Start helfen, aber der Wert liegt im Inhalt, nicht im Design. Nimm die Checkliste aus diesem Artikel als Vorlage: Bio, Fotos, Musik, Höhepunkte, Kontakt. Damit hast du die Struktur, die alle gängigen Vorlagen abbilden.

Wie lang sollte ein EPK sein?
So kurz wie möglich. Eine gut gegliederte Seite, die sich in zwei Minuten erfassen lässt, schlägt jede ausführliche Mappe. Tiefe lieferst du über Links, etwa zu weiteren Songs oder Videos.

EPK als PDF oder als Webseite?
Im Zweifel als Webseite, weil sie immer aktuell ist und nichts heruntergeladen werden muss. Ein PDF ist eine sinnvolle Ergänzung für E-Mail-Anhänge und Bewerbungen, bei denen eines verlangt wird.

Dein nächster Schritt

Ein Electronic Press Kit zu erstellen ist Handwerk, keine Zauberei. Geh die Checkliste durch, sammle dein Material und bau die erste Version mit den Mitteln, die du schon hast. Eine ehrliche, aktuelle Seite mit Bio, Fotos, Musik und Kontakt bringt dich weiter als jede aufwendige Mappe, die nie fertig wird.

Der natürlichste Ort für dein EPK ist deine eigene Website. Wenn du noch keine hast, findest du im Leitfaden Musiker Website erstellen den Weg dorthin. Wenn du lieber mit einem Baukasten startest, der auf Musiker zugeschnitten ist, kannst du dir IndieFunnels ansehen, dort gibt es fertige EPK-Vorlagen. Es geht aber genauso mit jedem anderen Werkzeug, das du schon kennst.

Hinweis: IndieFunnels und Musikerkanal gehören zum selben Projekt.

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