Lohnt sich Merch für kleine Bands? Die Rechnung vor der ersten Bestellung
Lohnt sich Merch für kleine Bands? Die Rechnung vor der ersten Bestellung
Lohnt sich Merch, wenn ihr vor hundert Leuten spielt? Ja. Nur hält der Grund, den fast jeder Ratgeber dafür nennt, der Nachrechnung nicht stand.
Die eigentliche Frage ist nämlich nicht, ob Merch sich lohnt, sondern wie du ihn herstellen lässt. Print-on-Demand kostet dich vorab nichts und druckt erst, wenn jemand bestellt. Eine eigene Auflage bezahlst du komplett, bevor ein einziger Fan sie gesehen hat.
Wir haben die Preise beider Wege abgerufen und nebeneinandergelegt. Herausgekommen ist etwas, das wir so nicht erwartet hatten.
Der Satz, den fast jeder Ratgeber schreibt
Er geht so: Print-on-Demand ist der risikolose Einstieg und dafür teuer je Stück, die eigene Auflage kostet Geld im Voraus und bringt dafür die bessere Marge.
Acht von zehn Treffern auf der ersten Suchergebnisseite sagen genau das, und fast alle stammen von Druckereien oder Print-on-Demand-Anbietern. Das macht die Aussage nicht falsch. Es heißt nur, dass sie niemand überprüft hat.
Also haben wir sie überprüft.
Was ein Shirt kostet, bevor du es verkaufst

Vier Wege, alle Preise netto und im September 2026 an den Anbieterseiten abgerufen:
- Print-on-Demand, einfaches Shirt: 6,38 € je Stück. Printful mit dem Gildan 5000, ein Druck inklusive, ab einem Stück und ohne Mindestbestellwert.
- Print-on-Demand, besseres Shirt: 10,46 € je Stück. Printful mit dem Bella + Canvas 3001, ebenfalls ein Druck inklusive und ebenfalls ab einem Stück.
- Eigene Auflage, 50 Stück: 10,00 € je Stück. Das ist die Beispielrechnung der Regensburger Druckerei Siluri: 250 € für den Druck im DTF-Verfahren plus 250 € für die Shirts, macht 500 € für fünfzig Stück.
- Eigene Auflage, 100 Stück: 5,28 € je Stück. MonsterMerch, eine auf Bandshirts spezialisierte Druckerei, einfarbiges Motiv, Shirt und Lieferung enthalten.
Ein Hinweis gehört dazu, sonst wird aus der Aufstellung eine Behauptung: Das sind drei verschiedene Textilien. Das Gildan 5000 ist ein schwerer Basisschnitt, das Bella + Canvas 3001 ein feineres Shirt in Ladenqualität, und Siluri rechnet mit einem Continental-Bio-Shirt. Wer diese Zahlen als reinen Preisvergleich liest, vergleicht dabei auch Qualitäten.
Die 46 Cent, für die du 500 Euro vorlegst
Nimm die beiden Zeilen, die qualitativ am nächsten beieinanderliegen.
Print-on-Demand mit dem Bella + Canvas kostet dich 10,46 € je Shirt, und zwar schon beim allerersten Stück. Die eigene Auflage über fünfzig Stück kostet 10,00 €.
Der Unterschied beträgt 46 Cent.
Um diese 46 Cent je Shirt zu sparen, legst du fünfhundert Euro aus und wartest zwei bis drei Wochen auf die Lieferung. Über die ganze Auflage sind das 23 Euro Ersparnis, und die bekommst du auch nur, wenn du alle fünfzig verkaufst.
Bei dieser Menge ist der Satz, den alle schreiben, damit einfach nicht wahr. Die eigene Auflage hat bei fünfzig Stück keinen nennenswerten Preisvorteil. Sie hat nur ein Risiko. Dieselbe Frage stellt sich beim Tonträger, und die Rechnung dafür steht in Eine CD pressen als Band.
Ab wann wird die eigene Auflage wirklich billiger?
Bei hundert Stück, und dann deutlich.
5,28 € gegen 6,38 € beim günstigsten Print-on-Demand-Shirt macht 1,10 € je Stück, also 110 Euro auf die Auflage. Gegen das teurere Shirt in Ladenqualität sind es über fünf Euro Unterschied je Stück.
Der Haken steht in derselben Zeile: Hundert Shirts kosten 528 Euro netto, bevor du eines verkauft hast. In Merchtisch: was am Ende wirklich bei dir bleibt haben wir einen guten Clubabend mit zwölf verkauften Shirts durchgerechnet, und bei dieser Geschwindigkeit brauchst du mehr als acht Konzerte, bis die Kiste leer ist.
Eine Randnotiz, weil sie zum Rechnen dazugehört: MonsterMerch wirbt im Seitentitel mit „ab 2,63 €“. Dieser Betrag steht auf der Seite selbst nirgends, der günstigste dort ausgewiesene Preis ist 4,65 € netto bei fünfhundert Shirts mit vierfarbigem Motiv.
Siebdruck oder Digitaldruck, und wo es kippt
Innerhalb der eigenen Auflage gibt es noch eine zweite Entscheidung, und sie verschiebt den Stückpreis mehr als die Wahl der Druckerei.
Der Digitaldruck, im Fachhandel meist DTF genannt, hat keine Einrichtungskosten. Er kostet bei Siluri 5,00 € je Shirt bei fünfzig Stück und 6,00 € bei fünfundzwanzig. Der Siebdruck ist im Stückpreis viel billiger, nämlich 2,43 € bei fünfzig, verlangt aber einmalig 45 Euro Siebbelichtung je Farbe.
Rechne die Einrichtung auf die Auflage um, und die Sache wird eindeutig. Bei fünfzig Shirts einfarbig kommt der Siebdruck auf 3,33 € je Stück und schlägt den Digitaldruck klar. Bei fünfundzwanzig Shirts liegen beide Verfahren mit rund sechs Euro exakt gleichauf.
Deshalb gilt: unter etwa dreißig Stück Digitaldruck, darüber Siebdruck, und ein zweiter Auftrag mit demselben Motiv wird noch einmal günstiger, weil die Siebe gespeichert bleiben.
Warum der Stückpreis die Entscheidung trotzdem nicht trifft
Wenn der Preisunterschied unterhalb von hundert Stück so klein ist, entscheidet er nichts. Dann entscheidet etwas anderes, und zwar der Ort.
Print-on-Demand kann den Merchtisch nicht bedienen.
Das klingt banal und ist der ganze Punkt. Ein Fan, der nach dem Konzert vor deinem Tisch steht, will das Shirt jetzt und nicht in fünf Tagen. Er hat gerade eure Musik gehört, er ist in Stimmung, und diese Stimmung überlebt keinen Bestellvorgang auf dem Handy.
Bei einer Clubband ist der Merchtisch die Stelle, an der Merch überhaupt Geld bringt. Der Shop läuft nebenher. Der Abend trägt.
Und wenn ihr noch gar nicht live spielt?
Dann ist die Frage beantwortet, bevor du rechnest.
Ohne Konzerte gibt es keinen Merchtisch, und ohne Merchtisch fällt das einzige Argument weg, das für die eigene Auflage wirklich trägt. Was bleibt, ist ein Shop, und den bedient Print-on-Demand ohne gebundenes Geld und ohne Kiste im Proberaum.
Die eigene Auflage ist in dieser Lage nicht falsch, sie ist nur verfrüht. Sie wird zur richtigen Entscheidung an dem Tag, an dem die ersten Termine im Kalender stehen und du weißt, vor wie vielen Leuten du spielst.
Bis dahin kostet dich das Warten nichts. Genau das ist der Vorteil, den Print-on-Demand tatsächlich hat, und er hat mit dem Stückpreis nichts zu tun.
Was im Stückpreis von Print-on-Demand nicht steht
Zwei Posten tauchen in keiner Anbietertabelle auf.
Der Versand. Printful nennt für die Lieferung nach Deutschland einen Preis ab 4,49 € je Bestellung. Bei einem Shirt für 25 Euro zahlt dein Fan also knapp dreißig, und gegen jeden Shop, der ab einem bestimmten Betrag kostenlos liefert, ist das eine echte Hürde.
Die Marge setzt du selbst, aber nach oben ist wenig Luft. Spreadshop erklärt sein Modell im eigenen Hilfebereich so: Es gibt einen festen Basispreis aus Produkt und Druck, du legst darüber deinen Kundenpreis fest, und die Differenz ist dein Verdienst. Das Rechenbeispiel des Anbieters nennt fünfzehn Euro Basispreis, zweiundzwanzig Euro Kundenpreis und sieben Euro Marge.
Sieben Euro je Shirt, ohne Lager und ohne gebundenes Geld. Das ist kein schlechtes Geschäft. Es ist nur ein anderes als der Merchtisch.
Was im Stückpreis der eigenen Auflage nicht steht
Hier heißt der Posten gebundenes Geld.
Fünfzig Shirts zu zehn Euro sind fünfhundert Euro, die in einer Kiste im Proberaum liegen, bis jemand sie kauft. Dazu kommt die Größenfalle. Du bestellst von S bis XXL und verkaufst vor allem M und L, und was am Ende übrig bleibt, ist kein Vorrat, sondern totes Kapital in den falschen Größen.
Diesen Teil haben wir am Merchtisch ausführlich auseinandergenommen, deshalb hier nur der Satz, auf den es ankommt: Die teuerste Entscheidung ist nicht der Verkaufspreis, sondern die Bestellmenge.
Dasselbe Muster liegt übrigens beim Pressen einer Platte, nur eine Größenordnung höher. Was das dort bedeutet, steht in Was eine Vinyl-Pressung wirklich kostet.
Die Regel, die daraus folgt
- Für den Merchtisch brauchst du eine eigene Auflage. Print-on-Demand kann diesen Verkauf nicht bedienen, eine Alternative gibt es nicht.
- Für den Shop zwischen den Konzerten nimm Print-on-Demand. Kein gebundenes Geld, keine toten Größen, und der Preisnachteil ist unter hundert Stück klein.
- Rechne deine Auflage in Konzertabenden, nicht in Stückpreisen. Wie viele Abende brauchst du, bis die Kiste leer ist?
- Unterhalb von hundert Stück ist der Stückpreis kein Argument. Wer dir dort mit der besseren Marge kommt, verkauft dir eine Auflage.
- Lass die erste Bestellung ein Test sein. Welches Motiv geht, welche Größen gehen, und wie schnell.
Was du außer Shirts überhaupt anbieten kannst, haben wir in Was Musiker verkaufen können sortiert, und worauf ein Shop dafür tatsächlich können muss, steht in Musiker Onlineshop.
Was du daraus mitnehmen kannst
Die beiden Wege sind keine Alternativen, sondern zwei Werkzeuge für zwei Situationen. Eine kleine Auflage für die Konzerte, ein Print-on-Demand-Shop für alles dazwischen, und beides mit demselben Motiv.
Unübersichtlich wird dabei nicht die Produktion, sondern alles danach: zwei Verkaufswege, zwei Zahlungswege, und eine E-Mail-Liste, die beides zusammenhalten muss. Wie so ein Aufbau als Ganzes aussieht, steht in Wie ein Direktverkaufs-System für Musiker aussieht.
Und bevor die erste Bestellung rausgeht, wirf einen Blick auf Was der Merchtisch mit deiner Steuer macht. Die Umsatzgrenzen liegen niedriger, als die meisten vermuten.
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