Musikverlag gründen: wann es sich lohnt und wie es geht

Musikverlag gründen: wann es sich lohnt und wie es geht

Musikverlag gründen: wann es sich lohnt und wie es geht

Du überlegst, einen eigenen Musikverlag zu gründen? Bevor du ein Gewerbe anmeldest und GEMA-Formulare ausfüllst, lohnt eine ehrliche Frage: Brauchst du wirklich einen Verlag, oder löst du dein eigentliches Problem auf einem anderen Weg?

Dieser Artikel erklärt, was ein Musikverlag macht, was die Gründung kostet und welche Schritte nötig sind. Und er sagt offen, für wen sich der Aufwand am Ende lohnt und für wen nicht.

Was ein Musikverlag ist

Ein Musikverlag entdeckt, betreut und verwertet die Werke von Urhebern, also von Komponisten und Textdichtern. Er nimmt ihnen die Verwaltungsarbeit ab, die mit Lizenzierung und Abrechnung verbunden ist, damit sie sich auf das Schreiben konzentrieren können.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen drei Rollen. Der Komponist schreibt die Musik. Der Textdichter schreibt den Text. Der Interpret spielt das Werk ein. Bei vielen unabhängigen Künstlern ist das dieselbe Person, zwingend ist das aber nicht.

Diese Unterscheidung hat einen handfesten Grund. In Deutschland sind zwei Verwertungsgesellschaften zuständig. Die GEMA verwaltet die Rechte der Werkschaffenden, also der Komponisten, Textdichter und Verlage. Die GVL verwaltet die Leistungsschutzrechte der Interpreten und Tonträgerhersteller. Ein Musikverlag bewegt sich auf der GEMA-Seite, beim Werk, nicht bei der Aufnahme. Was die GEMA für dich als Musiker bedeutet, erklärt der Artikel GEMA für Musiker.

Was ein Musikverlag wirklich macht

Die Aufgaben eines Verlags drehen sich um eine Sache: aus einem Werk Erträge holen und den Aufwand dafür übernehmen. Konkret gehören dazu:

  • die Anmeldung der Werke bei der GEMA und die Kontrolle der Abrechnungen
  • die Vermittlung der Werke an Interpreten, die sie nutzen wollen
  • die Verbreitung über Vertrieb und Tonträger, digital wie physisch
  • die Promotion der Werke
  • die Vergabe von Synchronisationsrechten für Film, Werbung und Games
  • das große Recht, also die Aufführung von Bühnenwerken
  • finanzielle Unterstützung der Urheber, etwa über Vorschüsse
  • die Dokumentation der Werke zum Nachweis der Urheberschaft

Grundsätzlich gibt es zwei Formen. Auf der einen Seite die großen Konzern-Verlage (Universal, Sony, Warner, BMG). Auf der anderen die unabhängigen Verlage. Dazu zählen auch Eigenverlage, oft Autorenverlage genannt: Künstler, die zuerst nur die eigene Musik verlegen und später Werke anderer Urheber dazunehmen. Theoretisch kann jeder einen Verlag gründen. In der Praxis tun es meist Leute, die schon im Geschäft sind, etwa Labels, Studios oder Management. Wie sich der reine Vertrieb davon unterscheidet, zeigt der Artikel Musikvertrieb.

Lohnt sich ein eigener Verlag für dich?

Hier kommt der Teil, den die meisten Anleitungen auslassen.

Es gibt ein verbreitetes Missverständnis. Viele Musiker glauben, mit einem eigenen Verlag bekämen sie mehr Geld von der GEMA. Das ist nicht so. Der sogenannte Verlegeranteil wird vom Anteil des Urhebers abgezweigt, nicht zusätzlich ausgeschüttet. Wenn du Urheber und Verleger in einer Person bist, verschiebst du Geld von der linken in die rechte Tasche. Mehr wird es dadurch nicht.

Ein eigener Verlag lohnt sich vor allem dann, wenn du Werke anderer Urheber verlegst und die Verwaltung für mehrere übernimmst. Dann ist der Verlegeranteil eine Vergütung für echte Arbeit. Für den Künstler, der nur die eigene Musik herausbringt, ist ein Verlag dagegen vor allem Bürokratie mit wenig Ertrag.

Das ist eine Einschätzung, keine Vorschrift. Aber sie ist ehrlich: Einen Verlag nebenbei zu führen ist möglich, empfehlenswert ist es selten, weil viele Pflichten und Aufgaben anfallen, die laufend Zeit kosten.

Was die Gründung kostet

Die Kosten sind überschaubar, wenn du schrittweise vorgehst.

Die Gewerbeanmeldung ist der erste Posten. Die Gebühr ist gering und variiert von Gemeinde zu Gemeinde, meist liegt sie im niedrigen zweistelligen Bereich.

Der zweite Posten ist die GEMA-Mitgliedschaft als Verlag. Hier fallen eine einmalige Aufnahmegebühr von 180 Euro und ein Jahresbeitrag von 100 Euro an, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer (Quelle: GEMA). Für jüngere Mitglieder kann die Aufnahmegebühr entfallen; die aktuellen Konditionen prüfst du am besten direkt bei der GEMA, da sie sich ändern können.

Dazu kommen optionale Kosten: eine rechtliche Beratung, damit deine Verträge wasserdicht sind, und eine ordentliche Website. Startkapital oder ein formaler Businessplan sind nicht zwingend nötig. Plane aber einen finanziellen Puffer ein, denn bis die erste GEMA-Ausschüttung eintrifft, vergeht einige Zeit.

So gründest du einen Musikverlag in vier Schritten

Schaubild: Musikverlag gründen in vier Schritten

Schritt 1: Namen wählen und prüfen. Halte mehrere Namen bereit, falls deine erste Wahl schon vergeben ist. Die GEMA lehnt Namen ab, die bestehenden zu ähnlich sind, um Verwechslungen bei der Abrechnung zu vermeiden. Recherchiere vorab, ob es deinen Wunschnamen schon gibt.

Schritt 2: Rechtsform festlegen. Bist du allein, reicht ein Einzelunternehmen über die Gewerbeanmeldung. Sind mehrere Personen beteiligt, etwa Koautoren oder Bandmitglieder, ist eine strukturiertere Form wie eine GbR oder UG sinnvoll. Bei Verträgen mit Dritten lohnt sich anwaltliche Beratung.

Schritt 3: Gewerbe anmelden und beim Finanzamt registrieren. Ein Verlag zu betreiben ist keine freiberufliche Tätigkeit, du meldest also ein Gewerbe beim Gewerbeamt an. Danach füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER aus und übermittelst ihn an dein Finanzamt. Deine Steuernummer kommt anschließend per Post.

Schritt 4: Bei der GEMA als Verlag anmelden. Eine GEMA-Mitgliedschaft ist nicht zwingend, erspart dir aber viel Arbeit, weil du sonst die Lizenzgelder selbst bei den verschiedenen Stellen einsammeln müsstest. Sobald du mit anderen Urhebern zusammenarbeitest, schließt du einen Verlagsvertrag ab und legst ihn der GEMA vor.

Welche Einnahmen ein Verlag bringt

Ein Verlag verdient an den Werken, die er verwaltet. Die Einnahmen kommen aus zwei Richtungen.

Über die GEMA erhält der Verlag einen festen Anteil an den Ausschüttungen für die verlegten Werke. Laut GEMA-Verteilungsplan liegt der Verlegeranteil beim Aufführungs- und Senderecht bei rund einem Drittel und beim Vervielfältigungsrecht, etwa bei Tonträgern und Downloads, bei bis zu 40 Prozent (Quelle: GEMA).

Dazu kommen Einnahmen aus der Direktvergabe, die der Verlag selbst aushandelt. Synchronisationsrechte für Film und Werbung liegen oft bei etwa der Hälfte, der Notendruck bei einem kleineren Anteil, das große Recht ebenfalls bei etwa der Hälfte. Mit Subverlagen und ausländischen Verwertungsgesellschaften lässt sich gesondert verhandeln. Das sind Orientierungswerte, die konkrete Aufteilung hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Wichtig bleibt: All diese Anteile stammen aus dem Topf des Urhebers.

Die ehrlichere Frage für die meisten Musiker

Wenn dein Ziel nicht ist, fremde Werke zu verwalten, sondern von deiner eigenen Musik zu leben, dann ist ein Verlag selten der richtige Hebel. Der bessere Weg führt über eine direkte Verbindung zu deinen Hörern.

Statt auf Ausschüttungen zu warten, die über mehrere Stationen laufen, verkaufst du direkt an Menschen, die dich kennen: Musik, Merch, Tickets. Die GEMA klärst du dort, wo sie wirklich relevant ist, das erklärt der Artikel GEMA für Musiker. Wie der Direktverkauf konkret funktioniert, zeigt Musik verkaufen.

Wer diesen Weg gehen und ein System aufbauen will, das Website, Shop und Fan-Kommunikation an einem Ort zusammenführt, findet bei IndieFunnels einen Aufbau, der genau dafür gemacht ist.

Häufige Fragen

Was ist ein Musikverlag?
Ein Musikverlag verwaltet und verwertet die Werke von Komponisten und Textdichtern. Er meldet Werke bei der GEMA an, vermittelt und verbreitet sie, vergibt Lizenzen und übernimmt die Abrechnung. Er arbeitet auf der Seite des Werks, nicht der Tonaufnahme.

Was kostet es, einen Musikverlag zu gründen?
Die Gewerbeanmeldung kostet wenig und variiert je nach Gemeinde. Die GEMA-Mitgliedschaft als Verlag kostet einmalig 180 Euro Aufnahmegebühr und 100 Euro im Jahr, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Dazu kommen optionale Kosten für Beratung und Website.

Brauche ich für einen Musikverlag eine GEMA-Mitgliedschaft?
Zwingend ist sie nicht. Ohne sie müsstest du die Lizenzgelder für deine Werke aber selbst bei den verschiedenen Stellen einsammeln. In der Praxis ist die Mitgliedschaft deshalb fast immer sinnvoll.

Lohnt sich ein eigener Musikverlag?
Vor allem dann, wenn du Werke anderer Urheber verlegst. Wenn du nur deine eigene Musik herausbringst, bringt ein Verlag kein zusätzliches GEMA-Geld, weil der Verlegeranteil vom Urheberanteil abgezweigt wird. Für reine Selbstverwertung ist der Aufwand selten gerechtfertigt.

Was ist der Unterschied zwischen Musiklabel und Musikverlag?
Ein Label kümmert sich um die Tonaufnahme, also den Master, und steht auf der Seite von Interpret und Tonträger (GVL). Ein Verlag kümmert sich um Komposition und Text, also das Werk, und steht auf der Seite des Urhebers (GEMA). Zwei verschiedene Rechte, zwei verschiedene Rollen.

Worauf es am Ende ankommt

Ein Musikverlag ist ein Werkzeug für einen bestimmten Zweck: Werke verwalten, eigene und vor allem fremde. Wer das vorhat, findet hier den Weg. Für die meisten unabhängigen Musiker ist die ehrlichere Frage aber nicht „wie gründe ich einen Verlag“, sondern „wie werde ich unabhängiger und verkaufe direkter“. Die Antwort darauf beginnt nicht beim Gewerbeamt, sondern bei deiner Fanbeziehung.

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