Was von 5 Euro Fanunterstützung wirklich bei dir ankommt
Was von 5 Euro Fanunterstützung wirklich bei dir ankommt
Ein Fan richtet dir eine Unterstützung über 5 Euro im Monat ein. Wie viel davon landet auf deinem Konto?
Rund 3,95 €. Und der Fan hat nicht 5,00 € bezahlt, sondern 5,95 €.
Beides steht in keinem der deutschsprachigen Ratgeber, die zu diesem Thema oben stehen: sie erklären, was Patreon ist, wie du eine Seite einrichtest und wie du mehr Unterstützer bekommst, und keiner von ihnen rechnet vor, was von dem Geld am Ende tatsächlich bei dir landet.
Wir holen das hier nach, für Patreon und für Steady, den europäischen Anbieter, der in den meisten dieser Texte gar nicht vorkommt.
„5 Euro“ heißt auf den beiden Plattformen etwas anderes
Der Unterschied klingt nach Buchhaltung, und er entscheidet trotzdem über jeden Vergleich, den du zwischen den beiden Anbietern anstellst.
Patreon darf die Umsatzsteuer nicht in den Stufenpreis nehmen. Im Hilfecenter steht die Frage, ob das ginge, und darunter die Antwort: nein, derzeit nicht. Du legst also eine Stufe mit 5,00 € an, ein Fan in Deutschland zahlt 5,95 €, und die 19 Prozent Differenz kommen oben drauf, werden von Patreon eingezogen und von Patreon an den Fiskus weitergereicht.
Bei Steady steckt die Steuer im Preis. Steady verkauft die Mitgliedschaft rechtlich selbst an dein Mitglied und ist damit auch derjenige, der die Steuer schuldet. Du legst 5,00 € fest, der Fan zahlt 5,00 €, und 0,80 € davon sind Umsatzsteuer.
Halte einmal beide Zahlen nebeneinander. Auf Patreon bringt dir eine 5-Euro-Stufe 5,00 € steuerfreien Umsatz und kostet den Fan 5,95 €. Auf Steady bringt dieselbe Zahl 4,20 € und kostet den Fan 5,00 €.
Wer die beiden Plattformen an ihren Preisschildern miteinander vergleicht, vergleicht deshalb in Wahrheit gar nichts. Der einzige ehrliche Vergleich geht über den Betrag, den der Fan am Ende tatsächlich zahlt.
Die Rechnung für einen Unterstützer

Nehmen wir den Fall, der bei den meisten zutrifft: du bist neu dabei, wirst in Euro ausgezahlt, dein Fan sitzt in Deutschland und zahlt mit Karte.
Auf Patreon sieht ein Monat mit einem einzigen Unterstützer so aus:
- Der Fan zahlt 5,95 €.
- 0,95 € sind Umsatzsteuer und gehören nie dir.
- 0,50 € Plattformgebühr, 10 Prozent auf die 5,00 € netto.
- 0,55 € Zahlungsabwicklung, 3,4 Prozent auf die vollen 5,95 € plus 0,35 € fest.
- Es bleiben 3,95 €.
Dazu kommt einmal im Monat die Auszahlungsgebühr, 0,50 € auf ein Bankkonto und 1,00 € über PayPal, was bei einem einzigen Unterstützer ein spürbarer Anteil ist und bei fünfzig kaum noch auffällt.
Auf Steady legst du für genau denselben Fall stattdessen einen Plan mit einem Bruttopreis von 5,95 € an. Dann zahlt der Fan denselben Betrag wie eben, 0,95 € sind wieder Umsatzsteuer, 0,60 € gehen als Provision weg, die Kartenzahlung kostet 0,41 €, und übrig bleiben 3,99 €.
Vier Cent Unterschied. Nach allem, was die beiden Häuser übereinander schreiben, hatten wir mit deutlich mehr gerechnet.
Warum kleine Beiträge überproportional verlieren
Der Grund dafür liegt nicht in den Prozentsätzen, sondern in dem festen Betrag, der neben ihnen steht und den kaum jemand mitrechnet.
Jede einzelne Zahlung kostet zusätzlich 0,30 € bis 0,35 €, egal wie hoch sie ist. Bei 3,57 € Fan-Zahlung kommen deshalb nur 62 Prozent bei dir an, bei 29,75 € sind es 71 Prozent, und diese neun Prozentpunkte entstehen ausschließlich aus der Höhe des Beitrags und nicht aus einem anderen Tarif.
Für die Praxis heißt das zweierlei, und beides läuft der üblichen Empfehlung in Musikerratgebern ziemlich genau zuwider.
Erstens: eine Stufe für 3 Euro ist teurer, als sie aussieht. Zweitens: die Jahresmitgliedschaft ist weit mehr als eine Bequemlichkeit für den Fan, denn bei Steady fällt die Transaktionsgebühr dann einmal statt zwölfmal an, und aus zwölf mal 0,30 € werden schlicht 0,30 €.
Wo die beiden Plattformen wirklich auseinandergehen
Nicht bei der Provision. Beide nehmen 10 Prozent, und seit August 2025 ist dieser Satz auch bei Patreon der Normalfall für alle, die neu anfangen.
Der Unterschied sitzt an vier anderen Stellen.
- SEPA-Lastschrift. Gibt es nur bei Steady, kostet 1 Prozent plus 0,20 € statt 1,9 Prozent plus 0,30 €. Bei 5,95 € steigt der Anteil, der bei dir ankommt, damit von 67 auf knapp 70 Prozent.
- Die iOS-App. Schließt ein Fan seine Mitgliedschaft in Patreons App auf dem iPhone ab, nimmt Apple 30 Prozent. Die Plattformgebühr bleibt daneben bestehen.
- Fremdwährung. Zahlt jemand in Dollar auf dein Euro-Konto, berechnet Patreon 2,5 Prozent Umrechnung. Steady rechnet nach eigener Angabe kostenlos um.
- Der Sitz. Steady sitzt in Berlin und stellt dir monatlich eine Gutschrift mit deutschem Steuersatz aus, während bei Patreon dieselbe Buchung über eine ausländische Gesellschaft läuft und in deiner Buchhaltung entsprechend anders behandelt werden muss.
Der letzte Punkt ist der, an dem die meisten Empfehlungen für Steady hängen, und er ist zugleich der schwächste von den vieren. Die Lastschrift bringt mehr Geld als der Serverstandort.
Und die Steuer?
Sie kommt in diesem Artikel zweimal vor, und die beiden Male haben nichts miteinander zu tun.
Das eine ist die Umsatzsteuer, die dein Fan zahlt. Sie war nie dein Geld, egal auf welcher Plattform. Das andere ist deine eigene Steuerlage, und die entscheidet über einen Posten, den kaum jemand auf dem Schirm hat.
Patreon berechnet Umsatzsteuer auf seine eigenen Gebühren, wenn du keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hinterlegst. Das Hilfecenter schreibt dazu, sie sei unter Umständen nicht erstattungsfähig. Bei einer 5-Euro-Stufe sind das rund zehn Cent im Monat und bei fünfzig Unterstützern knapp fünf Euro. Sie fallen an, ohne dass irgendwo eine Rechnung auftaucht.
Ob du eine solche Nummer beantragst und was das für deine Kleinunternehmerregelung bedeutet, ist eine Frage an deinen Steuerberater. Wir sind keine Steuerberater, und das hier ist keine Beratung. Die Grundlagen dazu stehen in unserem Artikel über Steuern beim Direktverkauf.
Was du an den Zahlen tatsächlich ändern kannst
Drei Stellschrauben, geordnet danach, wie viel sie bringen.
- Jahresmitgliedschaften anbieten. Der größte Hebel überhaupt, weil er die feste Gebühr je Zahlung elfmal im Jahr einspart. Steady rechnet sie einmal ab und verteilt die Auszahlung anschließend über zwölf Monate, damit Erstattungen möglich bleiben.
- Wenige, höhere Stufen statt vieler kleiner. Drei Euro sehen zugänglich aus und kosten dich anteilig am meisten.
- Die Lastschrift bewerben, falls du bei Steady bist. Fans wählen die Karte aus Gewohnheit, nicht aus Überzeugung.
Was du nicht ändern kannst, ist die Grundgröße: rund ein Drittel dessen, was dein Fan bezahlt, kommt nicht bei dir an. Steadys eigenes Rechenbeispiel landet bei 67,3 Prozent, und unsere Rechnung oben kommt auf 66 bis 70. Zwei unabhängige Wege, dasselbe Ergebnis.
Was das für deine Entscheidung heißt
Zwischen Patreon und Steady entscheidet nicht die Gebühr. Sie entscheidet sich an der Frage, wo deine Fans sind, ob du die Lastschrift brauchst und wie wichtig dir eine deutsche Gutschrift jeden Monat ist.
Die größere Frage liegt daneben. Ein Drittel ist der Preis dafür, dass jemand anderes Abrechnung, Steuer und Zahlungsausfälle übernimmt, und für den Anfang ist das ein fairer Handel. Was du dabei nicht bekommst, ist die Beziehung selbst: die Mitgliederliste, die Adressen und der direkte Draht zu den Leuten, die dich bezahlen, liegen auf der Plattform und wandern nicht mit, wenn du sie eines Tages verlässt.
Deshalb lohnt es sich, eine Mitgliedschaft von Anfang an neben einen eigenen Shop und eine eigene Liste zu stellen, statt sie zu ersetzen. Wer beides parallel aufbaut, hat später die Wahl. Wie ein eigenes System aus Shop, Liste und Release zusammenhängt, ist genau das Thema von IndieFunnels.
Und falls du dich fragst, warum das Thema überhaupt aufkommt: die Antwort steht in der Rechnung zu den Streaming-Einnahmen. Fünfzig Unterstützer auf einer 5-Euro-Stufe bringen dir nach allen Abzügen rund 197 € im Monat, verlässlich, jeden Monat. Was das im Streaming an Abrufen bedeutet, rechnest du besser nicht kurz vor dem Schlafengehen nach.
Was dieser Artikel nicht leistet
Er sagt dir nicht, wie viele Unterstützer du bekommst. Belastbare Zahlen für den deutschen Markt gibt es nicht, und die kursierenden Durchschnitte mischen Weltstars mit Neuanfängern.
Er ersetzt keine Steuerberatung, und er vergleicht auch nicht alle Anbieter, die es in diesem Feld gibt. Ko-fi, Buy Me a Coffee und Liberapay rechnen jeweils wieder anders, und der Vergleich lohnt erst, wenn die Grundrechnung sitzt.
Alle Gebührenangaben sind am 31. August 2026 in den Hilfecentern beider Anbieter geprüft. Beide Anbieter haben ihre Preise in den vergangenen zwei Jahren geändert, und beide werden das wieder tun. Rechne deshalb vor dem Start noch einmal selbst nach, das dauert keine fünf Minuten.