Was von einem Konzertabend am Ende übrig bleibt

Was von einem Konzertabend am Ende übrig bleibt

Was von einem Konzertabend am Ende übrig bleibt

Was verdient eine Band pro Auftritt? Weniger als die Gage, und der Abstand zwischen diesen beiden Zahlen ist größer, als die meisten schätzen.

Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Rechenaufgabe, und wer sie einmal von oben nach unten durchgeht, verhandelt danach anders, sagt anders zu und weiß hinterher, ob der Abend wirklich etwas gebracht hat.

Wir rechnen deshalb einen ganz normalen Clubabend durch: fünf Leute, 800 Euro Festgage, 200 Kilometer hin und zurück. Die Gage ist eine gesetzte Annahme, die Sätze, mit denen wir sie kleinrechnen, sind belegt und datiert.

Die Gage ist eine Bruttozahl für alle

Der erste Denkfehler steckt schon in der Frage.

„Was verdient eine Band pro Auftritt“ klingt nach einem Betrag, der bei einer Person ankommt, tatsächlich ist die Gage aber eine Bruttozahl für die gesamte Band, vor allen Kosten des Abends, vor jeder Provision und vor der Steuer.

Sie ist der Tagesumsatz eines kleinen Unternehmens und nicht der Lohn eines Musikers für einen Auftritt.

Was an Zahlen im Umlauf ist, hilft beim Einordnen wenig weiter.

Bonedo nennt für Coverbands ab etwa 90 Minuten Spielzeit 200 bis 250 Euro je Kopf als Untergrenze, und das ist eine belastbare Zahl für Firmenfeiern und Stadtfeste. In den Foren steht für unbekannte Bands mit eigenem Material eine völlig andere Größenordnung, nämlich 0 bis 200 Euro für die ganze Band.

Beides stimmt, es sind nur zwei verschiedene Märkte, und niemand schreibt dazu, in welchem von beiden du gerade stehst.

Ein Abend von oben nach unten

Eine Festgage von 800 Euro, Schritt für Schritt reduziert auf 124 Euro je Musiker

Der Veranstalter zahlt eine Festgage von 800 Euro. Das ist unsere Annahme und keine Messung, und sie liegt bewusst im oberen Bereich dessen, was ein gut gefüllter Club für eine Band ohne großen Namen zahlt.

Ihr fahrt zu fünft, 100 Kilometer hin und 100 zurück, in zwei privaten Autos. Für Fahrten mit dem privaten Pkw gilt steuerlich ein Satz von 0,30 Euro je Kilometer. Er deckt nicht nur den Sprit ab, sondern auch Verschleiß, Versicherung und Wertverlust. Also die Posten, die niemand aufschreibt.

200 Kilometer sind damit 60 Euro, und wer stattdessen einen Sprinter mietet, liegt laut Anbieterangaben bei 55 bis 85 Euro am Tag, also in derselben Größenordnung, plus Kraftstoff.

Bleiben 740 Euro.

Bucht eine Agentur den Abend, geht ihre Provision davon ab, und marktüblich sind dafür 10 bis 20 Prozent der Bruttogage, im deutschsprachigen Raum meist 15 Prozent. Bei 800 Euro sind das 120 Euro.

Bleiben 620 Euro, und geteilt durch fünf Musiker sind das 124 Euro je Kopf, also rund ein Sechstel der Zahl, die am Anfang auf dem Vertrag stand.

Die Bandgröße ist dabei der größte einzelne Hebel auf diese Zahl, und das übersieht fast jeder: dieselben 620 Euro sind zu dritt 207 Euro je Kopf und zu siebt noch 89 Euro.

Diese Rechnung ist außerdem absichtlich freundlich, denn sie enthält keine Übernachtung, keinen Merch Cut, keinen Ausfall und keine kaputte Saite. Wer selbst bucht, spart die 120 Euro Provision und bezahlt sie mit den Stunden, die er stattdessen am Telefon und im Postfach verbringt.

Die Stunden, die niemand zählt

Auf der Bühne stehst du zwei Stunden, der Abend dauert deutlich länger.

Rechne von der Haustür bis zur Haustür: Laden, Fahrt, Aufbau, Soundcheck, Warten, Auftritt, Abbau, Rückfahrt, Ausladen. Bei 100 Kilometern einfacher Strecke landest du realistisch bei zwölf Stunden, und 124 Euro auf zwölf Stunden sind gut zehn Euro die Stunde, vor Steuer.

Die Proben für das Set sind darin nicht enthalten, ebenso wenig die Mails davor, der Bühnenplan und die Rechnung danach.

Ein kleiner Trost steckt in derselben Zeitrechnung. Wer länger als acht Stunden unterwegs ist, kann für diesen Tag eine Verpflegungspauschale von 14 Euro ansetzen, bei vollen 24 Stunden sind es 28 Euro, und bei fünf Leuten summiert sich das über eine Saison.

Das ist kein Grund, nicht zu spielen, sondern ein Grund, die Frage „lohnt sich das?“ nicht mit dem Bauch zu beantworten, sondern mit einer Zahl, die du selbst ausgerechnet hast.

Warum der Veranstalter mehr zahlt als deine Gage

An dieser Stelle wird es interessant, und die wenigsten Bands wissen davon.

Wer Musiker beauftragt, zahlt die Künstlersozialabgabe. Sie beträgt in Deutschland im Jahr 2026 4,9 Prozent auf das gezahlte Honorar, 2025 waren es 5,0 Prozent, und für 2027 ist wieder 5,0 Prozent vorgesehen. Bei 800 Euro Gage sind das 39,20 Euro, die der Veranstalter zusätzlich abführt.

Wichtig für die Rechnung oben: diese Abgabe wird dir nicht abgezogen. Sie steht nicht in deiner Abendrechnung, sondern in seiner.

Es gibt allerdings eine Bagatellgrenze, die 2026 von 700 auf 1.000 Euro je Kalenderjahr gestiegen ist, und wer nur gelegentlich eine Band bucht und darunter bleibt, zahlt nichts.

Dazu kommen bei ihm die GEMA-Anmeldung, die Technik, das Personal an Tür und Tresen und die Miete für den Abend. Der Clubbetreiber, der dir 800 Euro anbietet, hat selten mehr in der Tasche.

Das ändert nichts an deiner Rechnung, aber es ändert den Ton, in dem du verhandelst, und das ist manchmal mehr wert als die letzten fünfzig Euro.

Was fragst du, bevor du zusagst?

Die meisten Überraschungen entstehen nicht aus Bosheit, sondern daraus, dass vorher niemand gefragt hat. Diese neun Fragen kosten dich eine Mail:

  • Ist die Gage brutto oder netto, und mit welchem Umsatzsteuersatz rechnet ihr?
  • Sind Fahrtkosten enthalten oder kommen sie obendrauf?
  • Gibt es Verpflegung für die Band, und ab welcher Uhrzeit?
  • Übernachtung: gestellt, bezuschusst oder unser eigenes Problem?
  • Wann wird gezahlt, bar am Abend oder auf Rechnung, und mit welchem Zahlungsziel?
  • Gibt es eine Beteiligung am Merch, und wenn ja, auf welchen Betrag genau?
  • Wer stellt PA und Licht, und wer bedient die Technik am Abend?
  • Wer meldet die Veranstaltung bei der GEMA an?
  • Was passiert, wenn abgesagt wird, und bis wann geht das kostenfrei?

Schreib die Antworten in eine Mail und schick sie zurück an den Veranstalter. Das ist kein Vertrag, aber es ist schriftlich, und es erspart dir die Diskussion um Mitternacht neben der Kasse.

Festgage, Türbeteiligung oder Hut

Drei Modelle sind üblich, und sie verteilen das Risiko sehr unterschiedlich.

Die Festgage ist für die meisten Bands das sauberste Modell, weil du vorher weißt, was kommt, und deshalb überhaupt rechnen kannst; genau das haben wir oben getan.

Bei der Türbeteiligung hängt dein Anteil an den Eintrittseinnahmen, und hier entscheidet eine einzige Frage: worauf bezieht sich der Anteil? Auf den Bruttoeintritt oder auf das, was nach Vorverkaufsgebühren, Steuern und Fremdkosten übrig bleibt? Zwischen diesen beiden Zahlen liegen schnell dreißig Prozent, und ohne eine schriftliche Regelung wird aus einer fairen Abmachung am Abend ein Streitpunkt.

Das Hutkonzert verlagert das Risiko vollständig zu dir, denn ein voller Raum garantiert keine gute Einnahme; Menschen geben freiwillig fast immer weniger, als sie an einer Kasse ohne Nachdenken bezahlt hätten. Sinnvoll wird es mit einer kleinen Mindestgage im Rücken.

Bleibt das Modell, bei dem du Karten abnimmst und selbst weiterverkaufst. Rechne es durch, bevor du zusagst. Du finanzierst damit einen Teil der Veranstaltung vor und trägst ihr Risiko mit.

Lohnt sich ein Abend, der schlecht bezahlt ist?

Manchmal ja, aber nur, wenn du vorher benennen kannst, was dafür zurückkommen soll.

Messbar sind drei Dinge: Adressen für deine Liste, Verkäufe am Merchtisch und ein Kontakt, der zu einem weiteren Auftritt führt. Diese drei kannst du am nächsten Morgen zählen.

Nicht messbar ist „Sichtbarkeit“, und wenn im Angebot steht, du bekämst dafür Reichweite, dann frag nach, wie viele Leute beim letzten vergleichbaren Konzert im Raum waren. Kommt darauf keine Zahl, gibt es auch keine Reichweite.

Der Merchtisch ist der Posten, der einen schwachen Abend am ehesten dreht. Wie viel davon wirklich bei dir bleibt, rechnen wir getrennt durch, weil dort andere Zahlen gelten als bei der Gage: was am Merchtisch übrig bleibt.

Was du nach dem nächsten Konzert machst

Setz dich am Tag danach hin und schreib drei Zeilen auf.

Erstens, was reingekommen ist, Gage und Merch getrennt. Zweitens, was rausgegangen ist, inklusive Fahrt und Verpflegung. Drittens, wie viele Stunden es gekostet hat, für alle zusammen.

Nach fünf Abenden hast du keine Vermutung mehr, sondern Zahlen, und dann siehst du auch, welche Orte sich rechnen und welche du nur aus Gewohnheit spielst.

Was an einem Abend entsteht, sind übrigens nicht nur Einnahmen, sondern Adressen und Käufer, und die brauchen einen Ort, an dem sie landen. Wie du daraus eine E-Mail-Liste aufbaust, steht an anderer Stelle. Wenn Liste, Shop und Verkauf in einem System zusammenlaufen sollen, ist IndieFunnels dafür gebaut. Das ist unser eigenes Produkt.

Was dieser Artikel nicht leistet

Er ist keine Steuerberatung.

Ob deine Gage mit 7 oder 19 Prozent Umsatzsteuer läuft und was die Kleinunternehmerregelung damit macht, steht in Was der Merchtisch mit deiner Steuer macht, und für den Einzelfall gehörst du zu jemandem mit Zulassung.

Er ist auch keine Marktübersicht, denn belastbare Erhebungen zu Clubgagen im deutschsprachigen Raum gibt es nicht, und wer dir eine Durchschnittsgage nennt, hat sie in aller Regel geschätzt.

Gesetzt sind hier die Gage, die Entfernung und die Bandgröße. Belegt sind die 0,30 Euro je Kilometer, die 15 Prozent Provision, die 14 Euro Verpflegungspauschale und die 4,9 Prozent Künstlersozialabgabe, alle mit Stand 2026.

Wo der Auftritt zwischen den anderen Einnahmequellen steht, ordnet Mit Musik Geld verdienen ein.

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