Die Gage für ein Wohnzimmerkonzert: drei Modelle, ein Risiko

Die Gage für ein Wohnzimmerkonzert: drei Modelle, ein Risiko

Die Gage für ein Wohnzimmerkonzert: drei Modelle, ein Risiko

Was bekommst du für ein Wohnzimmerkonzert? Das hängt an einer Entscheidung, die du triffst, bevor über Geld gesprochen wird.

Es gibt drei Wege, wie die Gage für ein Wohnzimmerkonzert zustande kommt, und sie unterscheiden sich weniger in der Höhe als darin, wer den Abend absichert. Bei zweien trägt der Gastgeber das Risiko. Beim dritten trägst du es allein, und dieser dritte ist der, den Musiker auf Tour am häufigsten vorschlagen.

Wir haben die Nutzungsbedingungen der größten deutschen Vermittlungsplattform gelesen und die Sätze nachgerechnet, die dort stehen.

Warum du zu diesem Thema nur Preise für andere findest

Wenn du nach Wohnzimmerkonzerten suchst, landest du auf Seiten, die dich für jemand anderen halten.

Wir haben acht Suchbegriffe durchgesehen, von „Hauskonzert veranstalten“ über „Wohnzimmerkonzert spielen“ bis „lohnt sich Wohnzimmerkonzert“. Das Ergebnis war jedes Mal dasselbe: Vermittlungsplattformen, Eventportale und die Buchungsseiten einzelner Musiker, und alle schreiben an den Gastgeber, der Musik bestellen will.

Genau ein Text über alle acht Abfragen hinweg richtet sich an Musiker. Er stammt aus dem Jahr 2023, nennt drei Anbieter und kommt ohne einen einzigen Eurobetrag aus.

Das ist der Grund für diesen Artikel. Die Zahlen zu diesem Format existieren, sie sind nur alle aus der Sicht dessen gerechnet, der zahlt.

Drei Wege zur Gage für ein Wohnzimmerkonzert

Eine Plattform, die solche Abende vermittelt, beschreibt in ihren eigenen Unterlagen drei Modelle. Sie decken sich mit dem, was auch außerhalb einer Plattform vereinbart wird.

  1. Feste Gage. Du und der Gastgeber einigt euch auf einen Betrag, und der steht, egal wie viele Leute am Abend tatsächlich kommen. Das Risiko einer halbleeren Wohnung liegt beim Gastgeber.
  2. Hutgage mit Garantie. Der Gastgeber hinterlegt vorab einen Betrag, der deine Unkosten deckt. Der Hut geht herum, der Gastgeber bekommt seinen hinterlegten Betrag daraus zurück, und alles darüber geht zusätzlich an dich. Kommt weniger zusammen, zahlt er die Differenz.
  3. Hutgage ohne Garantie. Du bekommst, was die Gäste geben, und sonst nichts. Nach den Regeln dieser Plattform ist dieses Modell nur möglich, wenn du es selbst vorschlägst.

Der dritte Punkt ist die eigentliche Nachricht. Niemand darf dir dieses Modell anbieten, du musst es selbst wollen, und genau deshalb landen viele darin, ohne die Entscheidung als Entscheidung wahrzunehmen.

Ein freier Tag auf Tour ist ein guter Grund dafür. Fahrtkosten, die schon angefallen sind, sind kein guter Grund.

Was die Vermittlung von deiner Gage einbehält

Was eine Vermittlungsplattform von der Gage für ein Wohnzimmerkonzert einbehält: 20 Prozent für den Künstler, 25 Euro pauschal ohne Mindestgage, 85 Euro im Jahr für die PRO-Mitgliedschaft, 2 Prozent Buchungsgebühr für den Gastgeber

Hier steht die Zahl, die auf keiner der geprüften Seiten auftaucht.

Vereinbarst du eine feste Gage über die Plattform, behält sie 20 Prozent des vereinbarten Werts als Nutzungsgebühr ein. Das steht in § 3 ihrer Nutzungsbedingungen, ohne Staffel und ohne Obergrenze. Spielst du ein Konzert ohne Mindestgage, werden stattdessen 25 Euro pauschal fällig, die laut denselben Bedingungen der Gastgeber übernehmen soll und die nicht erstattet werden. Der Gastgeber zahlt zusätzlich 2 Prozent Buchungsgebühr auf den Zahlbetrag. Wer besser gefunden werden will, kann eine PRO-Mitgliedschaft für 85 Euro im Jahr dazunehmen.

Vier Gebühren, vier verschiedene Bezugsgrößen, und nur eine davon wächst mit deiner Gage.

Was von der Gage für ein Wohnzimmerkonzert übrig bleibt

Rechnen wir es einmal durch, mit einer Gage von 300 Euro.

Über die Plattform vereinbart bleiben dir davon 240 Euro. Direkt mit dem Gastgeber vereinbart bleiben dir 300 Euro. Der Unterschied von 60 Euro ist ungefähr das, was du an einem Clubabend für Anfahrt und Verpflegung ansetzt, und was so ein Abend im Club am Ende übrig lässt, haben wir in Was verdient eine Band pro Auftritt auseinandergenommen.

Das ist kein Argument gegen die Vermittlung. Sie führt ein Treuhandkonto, stellt die Rechnung, regelt Absagen und bringt dich an Wohnzimmer, die du nie gefunden hättest. Für das erste Dutzend Konzerte ist das viel wert.

Es ist ein Argument dafür, den Preis zu kennen. Ab dem Punkt, an dem deine eigenen Hörer dich fragen, ob du bei ihnen spielst, zahlst du 20 Prozent für eine Vermittlung, die nicht mehr vermittelt.

Zur Einordnung, was in diesem Rahmen überhaupt aufgerufen wird: Dieselbe Plattform nennt auf ihrer Kostenseite Solo-Auftritte ab etwa 200 Euro und Akustikbands ab etwa 500 Euro, bei 60 bis 90 Minuten Spielzeit. Das sind Anbieterangaben und keine Erhebung, aber sie sagen dir, in welchem Bereich du dich bewegst.

Wann bleibt ein Wohnzimmerkonzert privat?

Solange alle Anwesenden mit dem Gastgeber persönlich verbunden sind. Das ist keine Faustregel, sondern der Wortlaut des Gesetzes.

Nach § 15 Absatz 3 UrhG gehört zur Öffentlichkeit jeder, der nicht durch persönliche Beziehungen mit dem Verwerter oder mit den anderen Anwesenden verbunden ist. Die GEMA formuliert es auf ihren eigenen Seiten genauso und schreibt ausdrücklich, dass für Musik auf einer privaten Feier oder zu Hause mit Freunden keine Gebühren anfallen.

Die Grenze hängt also nicht am Ort, nicht an der Gästezahl und auch nicht daran, ob Eintritt genommen wird. Sie hängt daran, wer im Raum sitzt.

  • Der Gastgeber lädt Freunde und Familie persönlich ein. Das ist der Fall, den die GEMA in ihren eigenen Worten als privat und gebührenfrei beschreibt.
  • Der Abend wird öffentlich angekündigt und wer will, kommt dazu. Damit ist er öffentlich, und daran ändert eine Gästeliste nichts.
  • Die Gäste kennen weder den Gastgeber noch einander, sondern nur deine Musik. Genau das entsteht, wenn du deine eigenen Hörer in ein fremdes Wohnzimmer holst, und hier wird die Einordnung heikel.

Dass „geladene Gäste“ allein nichts retten, steht in der Tarifübersicht der GEMA selbst: Der Tarif für Livemusik gilt dort ausdrücklich auch für „Events vor geladenen Gästen“. Wie der dritte Fall ausgeht, entscheidet niemand pauschal, und für einen konkreten Abend antwortet die zuständige GEMA-Bezirksdirektion.

Anmelden muss derjenige, der veranstaltet, und das ist bei einem Hauskonzert der Gastgeber. Er trägt auch die Künstlersozialabgabe, sofern sie anfällt. Bei einer Privatperson im eigenen Wohnzimmer fällt sie regelmäßig nicht an, denn § 24 KSVG verpflichtet dazu Unternehmer, und selbst dort greift die Pflicht erst über 1.000 Euro im Jahr und nicht bei höchstens drei Veranstaltungen.

Ein Nebenbefund, der zeigt, wie wenig dieses Thema gepflegt wird: In den heute gültigen Nutzungsbedingungen der Plattform steht für den öffentlichen Fall eine GEMA-Gebühr mit dem Zusatz „Stand 01/2018″. Wir geben den Betrag hier nicht wieder, weil er acht Jahre alt ist. Für den konkreten Abend fragt der Gastgeber bei der GEMA nach.

Was der Abend sonst noch abwirft

Zwanzig Leute sitzen zwei Meter vor dir und haben sich für diesen Abend entschieden. Das ist die eigentliche Rechnung.

Ein Merchtisch braucht hier keinen Tisch, und was von einem Verkauf bei dir bleibt, steht in Merchtisch: was am Ende wirklich bei dir bleibt. Wie teuer die Auflage ist, die du dafür überhaupt brauchst, haben wir in Lohnt sich Merch für kleine Bands durchgerechnet.

Dass im Wohnzimmer anteilig mehr verkauft wird als im Club, ist unsere Einschätzung und keine belegte Zahl. Belegbar ist der andere Teil: Wer an diesem Abend in deine Liste einträgt, hat dich gerade eine Stunde lang aus drei Metern Entfernung erlebt. Warum diese Liste mehr wert ist als jede Plattform, steht in E-Mail-Marketing für Musiker.

Was dieser Artikel nicht beantwortet

Er rechnet deinen Fall nicht durch, und er ersetzt keine Beratung.

Was du am Jahresende mit den Einnahmen machst, ist eine eigene Frage, und die Steuerseite des Direktverkaufs haben wir in Was der Merchtisch mit deiner Steuer macht behandelt. Wenn ihr zu mehreren zusagt, gemeinsam abrechnet und unter einem Namen auftretet, gilt zusätzlich das, was in Eure Band ist eine GbR steht. Und die Frage, was die GEMA dir für deine eigenen Songs ausschüttet, wenn du sie selbst spielst, ist noch einmal eine andere.

Was der Artikel leisten soll, ist die Entscheidung davor. Du weißt jetzt, welche drei Modelle es gibt, welches davon dich ungesichert lässt, was eine Vermittlung von deiner Gage nimmt und wo die Grenze zwischen privat und öffentlich verläuft.

Je öfter die Anfrage direkt von jemandem kommt, der deine Musik schon kennt, desto weniger davon teilst du unterwegs auf. Wenn Liste, Shop und Termine dafür in einem eigenen System zusammenlaufen sollen, ist IndieFunnels dafür gebaut. Das ist unser eigenes Produkt.

Ähnliche Beiträge

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert